Sonntag, 19. Juli 2026
Zweifeln beim Zugfahren
celimelli, 15:46h
Guten Tag,
wir haben es bereits Mitte, eigentlich fast Ende Juli, und der Beginn meines Hebammenstudiums rückt immer näher. Mein Zustand kann besten Gewissens als „nervös, ohne klare Wertung“ festgehalten werden. Wenn ich ein paar Stunden ohne ein Telefon verbringe, denke ich viel über diesen, meinen bevorstehenden Neuanfang nach. Dabei wechseln sich in meinem Kopf Vorfreude und Zweifel rasant ab. Daran möchte ich dieses Word-Dokument und später meinen Blog teilhaben lassen.
Bei dem Gedanken daran, dass es sich bereits um meinen dritten „Anlauf“ handelt, stört mich die abgeschlossene Berufsausbildung sogar mehr als ein abgebrochenes Studium. Ich habe die Ausbildung zur Bankkauffrau überhaupt nur begonnen, weil ich nach dem Abitur nicht nichts machen wollte und, mein Gott, die örtliche Sparkasse hat noch zwei Monate vor Ausbildungsbeginn Auszubildende gesucht...
Rückblickend war das wohl weniger eine Berufswahl als eine fristgerechte Vermeidung von Leerlauf.
Es folgten zweieinhalb Jahre investierte Zeit bei eher mildem Output:
Wissen und Inhalte, die mich nur mäßig reizten, sowie Zeugnisse und Klausurergebnisse, die ich (teils beschämt) bei meiner Ausbildungsleitung einreichen musste. Immerhin bleiben mir meine tolle Freundin K und Erfahrungen, die ich heute nicht missen möchte.
Hinzu kommen jedoch Ausbilder, die mir bisweilen willkürlich ausgewählt erschienen. Denn in der Praxis bewertet wurde und somit zu Erfolg führte vor allem, noch weit vor tatsächlich erfassbaren Kennzahlen, ein nicht näher erläutertes Bauchgefühl des jeweiligen Ausbilders. Scheinbar war die Glaubwürdigkeit, mit der ein Auszubildender verkauft konnte, dass der hier gelehrte Beruf der geilste auf Erden sei, entscheidend.
Solche evidenzlosen Wertungen auf Basis eines selbstzugeschriebenen „Gefühls für Menschen“ habe ich nur mit großen Nerven aus meinen Beurteilungen herausbekommen. Ich scheiterte in meiner Ausbildung weniger an fachlichen Anforderungen als an meiner begrenzten Begabung für institutionell erwünschte Begeisterung.
Erneut unter vergleichbaren Prämissen nochmals eine Art Azubi-Äquivalent zu sein, würde mich tief unglücklich machen.
Auch der Schichtdienst beschäftigt mich. Pünktlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, klingt erstmal nach einem gewöhnlichen Bestandteil des Lebens. Variiert man nun, um die Dinge spannender zu machen, regelmäßig die jeweiligen Zeitpunkte und macht daraus Zeiträume klingt das zwar komplexer, aber noch immer machbar.
Worauf ich hinaus möchte, sind die Stunden davor. Es geht mir um das Wahren einer notwendigen Gelassenheit im Alltag, die zu einem guten Leben führt.
Wenn ich an einem gewöhnlichen Tag um 14 Uhr einen Termin habe, fange ich in den zwei Stunden davor weder mit der Zubereitung eines komplexen Essens an, noch mache ich einen ausgedehnten Spaziergang. Aufgrund eines latenten Stresses, der mir in den Knochen sitzt, werde ich den gesamten Vormittag mit nervösem Warten verbringen.
Bei einem Dreischichtsystem könnte das bedeuten, dass nicht die Arbeitszeit selbst, sondern die Stunden davor von diesem Gefühl geprägt sind. Organisatorisch ist das weniger effizient. Innerlich bin ich aber hervorragend auf das Losgehen vorbereitet.
Vermutlich muss ich lernen, die Stunden vor einer Spät- oder Nachschicht sinnvoll zu nutzen.
Dann gibt es die sozialen Fragen. Aus irgendeinem Grund hat mein Kopf entschieden, dass die Hebammen aus einem meiner Kreißsaalpraktika von mir genervt gewesen seien müssen. Diese Annahme beruht fast ausschließlich auf einer Situation, in der mir zugerufen wurde, ich solle bitte etwas tun. Ich machte es falsch und bereitete der Hebamme damit zusätzliche Umstände.
Von solchen Situationen werde ich vermutlich noch weitere erleben. Ich werde Dinge falsch verstehen, etwas nicht wissen oder falsch machen und andere damit gelegentlich nerven. Manchmal werden Menschen auch von mir genervt sein, ohne dass ich etwas getan hätte oder es verhindern könnte. Dass es nicht nur theoretisch, sondern tatsächlich normal und auch ein wenig egal ist, wenn Menschen von einem (kurzzeitig) genervt sind oder es mal waren, darf ich noch lernen. Das würde mir Dinge erleichtern.
Fachlich starte ich ebenfalls nicht ohne Unsicherheiten. Ich komme als „Quereinsteigerin“. Abgesehen von eher kläglichen Versuchen, biologische Grundlagen aufzufrischen, liegt mein letzter Biologieunterricht fast zehn Jahre zurück. Wer konnte denn ahnen, dass Bulimielernen wirklich nichts bringt?
Obwohl ich mit einem Apotheker zusammenwohne, der mir viele Sachen erklären kann und wird, werde ich vermutlich mehr nacharbeiten müssen, als mir lieb wäre. Das ist nicht ideal, aber auch kein unlösbares Problem.
Zusammenfasend stelle ich fest, dass ich wohl einfach leben werde, dazu gehört lernen, scheitern und Erfolge. Das sind aufregende Aussichten.
Liebe Grüße
Celina Peters
Anmerkung:
Mir kam beim Zugfahren die Idee für diesen Beitrag. Ich wollte über meine Sorgen, Erwartungen und Vorfreud im Hinblick auf das Studium schreiben. Dass allein die Sorgen bereits knapp 700 Wörter füllen würden, habe ich nicht erwartet. Deshalb habe ich beschlossen, aus der ursprünglichen Idee zwei Beiträge zu machen. Vielleicht sind auch meine Vorfreude und Erwartungen viel größer und umfangreicher, als ich es im Moment noch vermute, und werden im nächsten Beitrag entsprechend mehr Raum einnehmen.
Das ist ein schöner Gedanke.
wir haben es bereits Mitte, eigentlich fast Ende Juli, und der Beginn meines Hebammenstudiums rückt immer näher. Mein Zustand kann besten Gewissens als „nervös, ohne klare Wertung“ festgehalten werden. Wenn ich ein paar Stunden ohne ein Telefon verbringe, denke ich viel über diesen, meinen bevorstehenden Neuanfang nach. Dabei wechseln sich in meinem Kopf Vorfreude und Zweifel rasant ab. Daran möchte ich dieses Word-Dokument und später meinen Blog teilhaben lassen.
Bei dem Gedanken daran, dass es sich bereits um meinen dritten „Anlauf“ handelt, stört mich die abgeschlossene Berufsausbildung sogar mehr als ein abgebrochenes Studium. Ich habe die Ausbildung zur Bankkauffrau überhaupt nur begonnen, weil ich nach dem Abitur nicht nichts machen wollte und, mein Gott, die örtliche Sparkasse hat noch zwei Monate vor Ausbildungsbeginn Auszubildende gesucht...
Rückblickend war das wohl weniger eine Berufswahl als eine fristgerechte Vermeidung von Leerlauf.
Es folgten zweieinhalb Jahre investierte Zeit bei eher mildem Output:
Wissen und Inhalte, die mich nur mäßig reizten, sowie Zeugnisse und Klausurergebnisse, die ich (teils beschämt) bei meiner Ausbildungsleitung einreichen musste. Immerhin bleiben mir meine tolle Freundin K und Erfahrungen, die ich heute nicht missen möchte.
Hinzu kommen jedoch Ausbilder, die mir bisweilen willkürlich ausgewählt erschienen. Denn in der Praxis bewertet wurde und somit zu Erfolg führte vor allem, noch weit vor tatsächlich erfassbaren Kennzahlen, ein nicht näher erläutertes Bauchgefühl des jeweiligen Ausbilders. Scheinbar war die Glaubwürdigkeit, mit der ein Auszubildender verkauft konnte, dass der hier gelehrte Beruf der geilste auf Erden sei, entscheidend.
Solche evidenzlosen Wertungen auf Basis eines selbstzugeschriebenen „Gefühls für Menschen“ habe ich nur mit großen Nerven aus meinen Beurteilungen herausbekommen. Ich scheiterte in meiner Ausbildung weniger an fachlichen Anforderungen als an meiner begrenzten Begabung für institutionell erwünschte Begeisterung.
Erneut unter vergleichbaren Prämissen nochmals eine Art Azubi-Äquivalent zu sein, würde mich tief unglücklich machen.
Auch der Schichtdienst beschäftigt mich. Pünktlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, klingt erstmal nach einem gewöhnlichen Bestandteil des Lebens. Variiert man nun, um die Dinge spannender zu machen, regelmäßig die jeweiligen Zeitpunkte und macht daraus Zeiträume klingt das zwar komplexer, aber noch immer machbar.
Worauf ich hinaus möchte, sind die Stunden davor. Es geht mir um das Wahren einer notwendigen Gelassenheit im Alltag, die zu einem guten Leben führt.
Wenn ich an einem gewöhnlichen Tag um 14 Uhr einen Termin habe, fange ich in den zwei Stunden davor weder mit der Zubereitung eines komplexen Essens an, noch mache ich einen ausgedehnten Spaziergang. Aufgrund eines latenten Stresses, der mir in den Knochen sitzt, werde ich den gesamten Vormittag mit nervösem Warten verbringen.
Bei einem Dreischichtsystem könnte das bedeuten, dass nicht die Arbeitszeit selbst, sondern die Stunden davor von diesem Gefühl geprägt sind. Organisatorisch ist das weniger effizient. Innerlich bin ich aber hervorragend auf das Losgehen vorbereitet.
Vermutlich muss ich lernen, die Stunden vor einer Spät- oder Nachschicht sinnvoll zu nutzen.
Dann gibt es die sozialen Fragen. Aus irgendeinem Grund hat mein Kopf entschieden, dass die Hebammen aus einem meiner Kreißsaalpraktika von mir genervt gewesen seien müssen. Diese Annahme beruht fast ausschließlich auf einer Situation, in der mir zugerufen wurde, ich solle bitte etwas tun. Ich machte es falsch und bereitete der Hebamme damit zusätzliche Umstände.
Von solchen Situationen werde ich vermutlich noch weitere erleben. Ich werde Dinge falsch verstehen, etwas nicht wissen oder falsch machen und andere damit gelegentlich nerven. Manchmal werden Menschen auch von mir genervt sein, ohne dass ich etwas getan hätte oder es verhindern könnte. Dass es nicht nur theoretisch, sondern tatsächlich normal und auch ein wenig egal ist, wenn Menschen von einem (kurzzeitig) genervt sind oder es mal waren, darf ich noch lernen. Das würde mir Dinge erleichtern.
Fachlich starte ich ebenfalls nicht ohne Unsicherheiten. Ich komme als „Quereinsteigerin“. Abgesehen von eher kläglichen Versuchen, biologische Grundlagen aufzufrischen, liegt mein letzter Biologieunterricht fast zehn Jahre zurück. Wer konnte denn ahnen, dass Bulimielernen wirklich nichts bringt?
Obwohl ich mit einem Apotheker zusammenwohne, der mir viele Sachen erklären kann und wird, werde ich vermutlich mehr nacharbeiten müssen, als mir lieb wäre. Das ist nicht ideal, aber auch kein unlösbares Problem.
Zusammenfasend stelle ich fest, dass ich wohl einfach leben werde, dazu gehört lernen, scheitern und Erfolge. Das sind aufregende Aussichten.
Liebe Grüße
Celina Peters
Anmerkung:
Mir kam beim Zugfahren die Idee für diesen Beitrag. Ich wollte über meine Sorgen, Erwartungen und Vorfreud im Hinblick auf das Studium schreiben. Dass allein die Sorgen bereits knapp 700 Wörter füllen würden, habe ich nicht erwartet. Deshalb habe ich beschlossen, aus der ursprünglichen Idee zwei Beiträge zu machen. Vielleicht sind auch meine Vorfreude und Erwartungen viel größer und umfangreicher, als ich es im Moment noch vermute, und werden im nächsten Beitrag entsprechend mehr Raum einnehmen.
Das ist ein schöner Gedanke.
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