Samstag, 25. Juli 2026
Mein Bewerbungsprozess
Ich hatte in meinem kurzen Leben entsprechend wenige Bewerbungsprozesse.

Jeder einzelne hat mich über Monate genervt. Ich kann (Stand heute) Selbstpräsentation ausdrücklich nicht zu meinen Fähigkeiten zählen. Ich vermute, mir fehlt da die Lust (genannt: „intrinsische Motivation“) zu inszenieren.

Ich möchte im Folgenden über meinen Bewerbungsprozess zu meinem dualen Studienplatz der Hebammenwissenschaft schreiben. Dieser begann im Spätsommer 2025. Ich hatte genau ein Semester Wirtschaftspsychologie hinter mir und war ausgesprochen unglücklich.

Das Studium erschien mir, als ich mich dazu entschloss, wie der perfekte nächste Schritt meines akademischen Werdens, und doch fand ich mich kein Jahr später mit dem Apotheker, mit dem ich zusammenwohne, und einem Laptop im Bett sitzend, einen neuen Studiengang suchend.

Hebammenwissenschaft sollte mein Plan B werden, da war ich mir sicher.
Die Bewerbungsfrist war jedoch bereits verstrichen. Häufig, so meine Erfahrung, bringt nettes Nachfragen mehr als man denkt. Also ließ ich mich noch einmal telefonisch deprimieren und auf den nächsten Bewerbungszeitraum hinweisen.

Im nächsten halben Jahr prägten die folgenden sechs Phasen meine Vorbereitung:

*1. Informationstag an der HSBI: Oktober 2025*

Online fand ich einen „Schnuppertag Hebammenwissenschaft“ an der HSBI, den ich natürlich besuchen musste. Eine Professorin, die gelernte Hebamme ist, leitete das Schnuppern an. Es gab eine kurze, informationsdichte Präsentation über den Studiengang und das Bewerbungsverfahren, einen anschließenden interaktiven Besuch im „Skills Lab“, der zentralen Trainingseinrichtung für werdende Hebammen („Wehen“).

Eine wichtige Information für mich war, dass die Praxiszentren wohl ein Punktesystem haben, nach dem Stellen vergeben werden. Den größten Unterschied würden für mich Praktika machen, klinische in Kombination mit außerklinischen.

Außerdem blieb mir eine Äußerung der Professorin im Gedächtnis, die mir imponierte. Fast nebensächlich sagte sie, dass sie irgendwann „unbedingt wieder in den Kreißsaal“ will.

*2. Klinisches Praktikum: 27. Oktober bis 23. November 2026*

Nicht durch ein online auffindbares Bewerbungsformular, jedoch vergleichbar einfach durch zwei simple E-Mails organisierte ich mir ein Praktikum in einem Bielefelder Klinikum. Ich verbrachte die ersten drei der vier Wochen im Kreißsaal und die letzte Woche auf der Wochenbettstation im Dreischichtsystem.

*3. Ein kläglicher Versuch, mir einen außerklinischen Praktikumsplatz zu sichern: anschließend*

Als die Bewerbungsportale deutschlandweit am 1. Januar öffneten, führte ich seit einigen Wochen eine vom Ghosting geprägte Korrespondenz mit einem Geburtshaus für einen außerklinischen Praktikumsplatz.

Das frustrierte mich. Ja, es brachte mich kurz davor, meine Bewerbungen einfach abzuschicken, als der Apotheker zurecht einwandte, dass ich lieber eine gute, als eine frühe Bewerbung abschicken sollte. Das schien mir schlüssig.

Nach zweimonatigem Hin und Her bekam ich endlich eine vernünftige Mail, mit der ich arbeiten konnte: „Wir arbeiten hier alle jeden Tag viel... Leider muss ich dir auf diesem Wege absagen, wir haben leider doch mehr Studentinnen in dem Zeitraum, als ich angenommen hatte. Es tut mir sehr leid. Liebe Grüße“.

Am selben Tag telefonierte ich mit allen freiberuflichen Hebammen in meinem Wohnkreis, deren Telefonnummern mir Google verriet. Ich erhielt eine mündliche Zusage, um die ich sofort meinen Lebenslauf ergänzte und alle geplanten Bewerbungen abschickte.

*4. Bewerbungsgespräch Nummer 1 mit anschließender Absage: 12.02.2026*

Mein erstes Bewerbungsgespräch fand online statt. Zuvor sollte ich einen Fragebogen ausfüllen, mit Fragen wie „Was stellen Sie sich schwierig an dem Beruf vor?“ oder „Wissen Sie, dass viele Hebammen in den letzten Jahren gekündigt haben? Was macht das mit Ihnen?“. Ich fand die Fragen großartig, füllte den Bogen aus, schickte ihn ab und freute mich auf das Bewerbungsgespräch.

Mir virtuell gegenüber saßen die Leiterin des Praxiszentrums und eine angestellte Ausbilderin. Ich war nervös und zu allem Überfluss war das sogar berechtigt: Das Gespräch war ein Verhör und ich ein Tatverdächtiger.

Ich antwortete, stellte Gegenfragen, zeigte Interesse, hatte ein gutes Bauchgefühl und erhielt nach drei Tagen (noch während der Bewerbungsfrist) eine Absage. Auf Nachfrage mit der Begründung, ich wisse zu wenig über das Studium.

*5. Kontakt zum Studierendenservice, zur Studiengangsleitung, zu einer Studierenden: 06.03.2026 und fortlaufend*

Nach ein paar Tagen (mehr als mir lieb wäre zu nennen) war ich entschlossen, dieses Defizit auszumerzen. Falls es nicht nur eine billige Ausrede war, wovon ich ausging, reichte das Wissen der Studiengangsprüfungsordnung nicht aus. Ich nahm Kontakt zur Hochschule auf.

Ich schrieb so lange Mails hin und her, bis ich das Gefühl hatte mehr über diesen Studiengang zu wissen als über meinen aktuellen.
Mir wurde von mehreren Menschen gesagt, dass man manchmal einfach Pech hat und dass ich mich deutschlandweit bei vielen Praxiszentren bewerben solle, schon alleine aus statistischen Gründen.

*6. Bewerbungsgespräch Nummer 2, mit anschließender Zusage: 13.03.2026*

Es war ein Freitag. Der Apotheker fuhr mich nach Paderborn und wartete Zeitung lesend im parkenden Auto. Ich war sehr nervös.

Ich unterhielt mich eine Stunde mit der Leitung des Praxiszentrums. Mir wurden fast die gleichen Fragen gestellt, nur leicht anders formuliert. Aus der Erkundigung meiner Stärken und Schwächen wurde beispielsweise „Was für Eigenschaften haben die Hebammen, die Sie kennengelernt haben und welche davon haben Sie vielleicht auch?“.

Ich erzählte Persönliches, machte mich schon fast verletzbar, wusste bereits alles, was sie mir noch an Informationen gab, und verließ das Gespräch mit einem festen Händedruck und schlechtem Gefühl.

Auf der Rückfahrt erhielten wir ein Verwarngeld. Am Montag verließ ich das Haus sehr früh, auf dem Heimweg erstellte ich mir, wegen des anhaltenden schlechten Gefühls, etliche Accounts auf verschiedenen Bewerbungsportalen. Zuhause angekommen lag die Zusage, datiert mit „Paderborn, den 13.03.2026“ im Briefkasten (noch während der Bewerbungsfrist).

Danach folgten zwei Praktika, drei Bücher, etliche Karteikarten und verschiedene besuchte Vorlesungen. „Hebammieren“, wie der Apotheker und ich es nennen, wurde zu meinem Hobby.

Was und ob ich daraus gelernt habe, weiß ich selbst noch nicht.
Vielleicht hatte ich einfach Glück?! So oder so, es hat tatsächlich funktioniert!
Nun sitze ich hier Ende Juli in den Startlöchern und bin nervös, ohne diese Nervosität werten zu wollen (das kann ich wohl nicht gut).

Danke für die Aufmerksamkeit und ich freue mich auf ein nächstes Mal.

Liebe Grüße
Celina

Info: Falls du informiert werden möchtest, wenn ein neuer Beitrag erscheint, sprich mich gerne an. Ich habe einen Mailverteiler.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 19. Juli 2026
Zweifeln beim Zugfahren
Guten Tag,

wir haben es bereits Mitte, eigentlich fast Ende Juli, und der Beginn meines Hebammenstudiums rückt immer näher. Mein Zustand kann besten Gewissens als „nervös, ohne klare Wertung“ festgehalten werden. Wenn ich ein paar Stunden ohne ein Telefon verbringe, denke ich viel über diesen, meinen bevorstehenden Neuanfang nach. Dabei wechseln sich in meinem Kopf Vorfreude und Zweifel rasant ab. Daran möchte ich dieses Word-Dokument und später meinen Blog teilhaben lassen.

Bei dem Gedanken daran, dass es sich bereits um meinen dritten „Anlauf“ handelt, stört mich die abgeschlossene Berufsausbildung sogar mehr als ein abgebrochenes Studium. Ich habe die Ausbildung zur Bankkauffrau überhaupt nur begonnen, weil ich nach dem Abitur nicht nichts machen wollte und, mein Gott, die örtliche Sparkasse hat noch zwei Monate vor Ausbildungsbeginn Auszubildende gesucht...

Rückblickend war das wohl weniger eine Berufswahl als eine fristgerechte Vermeidung von Leerlauf.

Es folgten zweieinhalb Jahre investierte Zeit bei eher mildem Output:
Wissen und Inhalte, die mich nur mäßig reizten, sowie Zeugnisse und Klausurergebnisse, die ich (teils beschämt) bei meiner Ausbildungsleitung einreichen musste. Immerhin bleiben mir meine tolle Freundin K und Erfahrungen, die ich heute nicht missen möchte.

Hinzu kommen jedoch Ausbilder, die mir bisweilen willkürlich ausgewählt erschienen. Denn in der Praxis bewertet wurde und somit zu Erfolg führte vor allem, noch weit vor tatsächlich erfassbaren Kennzahlen, ein nicht näher erläutertes Bauchgefühl des jeweiligen Ausbilders. Scheinbar war die Glaubwürdigkeit, mit der ein Auszubildender verkauft konnte, dass der hier gelehrte Beruf der geilste auf Erden sei, entscheidend.

Solche evidenzlosen Wertungen auf Basis eines selbstzugeschriebenen „Gefühls für Menschen“ habe ich nur mit großen Nerven aus meinen Beurteilungen herausbekommen. Ich scheiterte in meiner Ausbildung weniger an fachlichen Anforderungen als an meiner begrenzten Begabung für institutionell erwünschte Begeisterung.

Erneut unter vergleichbaren Prämissen nochmals eine Art Azubi-Äquivalent zu sein, würde mich tief unglücklich machen.

Auch der Schichtdienst beschäftigt mich. Pünktlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, klingt erstmal nach einem gewöhnlichen Bestandteil des Lebens. Variiert man nun, um die Dinge spannender zu machen, regelmäßig die jeweiligen Zeitpunkte und macht daraus Zeiträume klingt das zwar komplexer, aber noch immer machbar.

Worauf ich hinaus möchte, sind die Stunden davor. Es geht mir um das Wahren einer notwendigen Gelassenheit im Alltag, die zu einem guten Leben führt.

Wenn ich an einem gewöhnlichen Tag um 14 Uhr einen Termin habe, fange ich in den zwei Stunden davor weder mit der Zubereitung eines komplexen Essens an, noch mache ich einen ausgedehnten Spaziergang. Aufgrund eines latenten Stresses, der mir in den Knochen sitzt, werde ich den gesamten Vormittag mit nervösem Warten verbringen.

Bei einem Dreischichtsystem könnte das bedeuten, dass nicht die Arbeitszeit selbst, sondern die Stunden davor von diesem Gefühl geprägt sind. Organisatorisch ist das weniger effizient. Innerlich bin ich aber hervorragend auf das Losgehen vorbereitet.

Vermutlich muss ich lernen, die Stunden vor einer Spät- oder Nachschicht sinnvoll zu nutzen.

Dann gibt es die sozialen Fragen. Aus irgendeinem Grund hat mein Kopf entschieden, dass die Hebammen aus einem meiner Kreißsaalpraktika von mir genervt gewesen seien müssen. Diese Annahme beruht fast ausschließlich auf einer Situation, in der mir zugerufen wurde, ich solle bitte etwas tun. Ich machte es falsch und bereitete der Hebamme damit zusätzliche Umstände.

Von solchen Situationen werde ich vermutlich noch weitere erleben. Ich werde Dinge falsch verstehen, etwas nicht wissen oder falsch machen und andere damit gelegentlich nerven. Manchmal werden Menschen auch von mir genervt sein, ohne dass ich etwas getan hätte oder es verhindern könnte. Dass es nicht nur theoretisch, sondern tatsächlich normal und auch ein wenig egal ist, wenn Menschen von einem (kurzzeitig) genervt sind oder es mal waren, darf ich noch lernen. Das würde mir Dinge erleichtern.

Fachlich starte ich ebenfalls nicht ohne Unsicherheiten. Ich komme als „Quereinsteigerin“. Abgesehen von eher kläglichen Versuchen, biologische Grundlagen aufzufrischen, liegt mein letzter Biologieunterricht fast zehn Jahre zurück. Wer konnte denn ahnen, dass Bulimielernen wirklich nichts bringt?

Obwohl ich mit einem Apotheker zusammenwohne, der mir viele Sachen erklären kann und wird, werde ich vermutlich mehr nacharbeiten müssen, als mir lieb wäre. Das ist nicht ideal, aber auch kein unlösbares Problem.

Zusammenfasend stelle ich fest, dass ich wohl einfach leben werde, dazu gehört lernen, scheitern und Erfolge. Das sind aufregende Aussichten.

Liebe Grüße
Celina Peters

Anmerkung:
Mir kam beim Zugfahren die Idee für diesen Beitrag. Ich wollte über meine Sorgen, Erwartungen und Vorfreud im Hinblick auf das Studium schreiben. Dass allein die Sorgen bereits knapp 700 Wörter füllen würden, habe ich nicht erwartet. Deshalb habe ich beschlossen, aus der ursprünglichen Idee zwei Beiträge zu machen. Vielleicht sind auch meine Vorfreude und Erwartungen viel größer und umfangreicher, als ich es im Moment noch vermute, und werden im nächsten Beitrag entsprechend mehr Raum einnehmen.
Das ist ein schöner Gedanke.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 17. Juni 2026
Thema: Vorstellung und Zwecks Begründung
Guten Tag,
ich freue mich sehr Hebamme zu werden.

Ich bin Celina, ich bin 23 Jahre alt, von Beruf Bankkauffrau, momentan Haupthörerin in Wirtschaftspsychologie und nebenbei Assistenz der Geschäftsleitung in Gestalt einer Werkstudentin.

Wie ich auf den Beruf kam, ist erstmal gar nicht so spannend. Darauf kommen wir ein andermal zu sprechen. Viel spannender finde ich zu Beginn gerade ein anderes Phänomen:

Überall, wo ich hingehe und sage, ich sei (bereits) Hebamme, erhalte ich Respekt.
Jede Hebamme, die ich bisher bei Ihrer Arbeit begleiten durfte, sagt mir, es sei „der Beste Beruf der Welt“.

Das ist erstaunlich motivierend, zugegeben aber auch etwas gruselig.

Ich frage mich ernsthaft, wie das sein kann. Muss man ein bestimmter Typ Mensch sein, um diesen Beruf zu lieben? Was genau macht diesen Beruf zum „Besten der Welt“? Und, wann kommt der Moment, zu dem ich selbst PraktikantInnen ermutige und sage: „Erlernt unbedingt diesen Beruf“.

Dieser Blog soll mir in seiner Funktion lediglich als Hobby dienen. Ich möchte das Schreiben üben, meinen Fortschritt dokumentieren und den traumatischen Umbruch meiner dritten Berufswahl stellvertretend für meine Eltern verarbeiten.

Somit heiße ich mich selbst und etwaige Schaulustige hiermit herzlich willkommen und freue mich auf mein Lernen, mein Scheitern, meine Erfolge und vor allem die Dokumentation all dessen. Auf das mir, glaube ich, endlich mal etwas wichtig ist.

Liebe Grüße
Celina

... link (1 Kommentar)   ... comment